„Es könnte warm sein, ist es aber nicht.“ (Erich Fried)

In diesen Tagen macht sich das echte Erleben von Ohnmacht breit. Wenn rechte Strömungen Verbrechen für ihre unsolidarischen Positionen instrumentalisieren, ist das nicht nur zum Kotzen, sondern auch noch zum Kotzen erfolgreich, wie sich derzeit in Chemnitz zeigt. Dabei ist unklar, was schlimmer wiegt. Dass die Nazis und Konsorten bis ins sog. bürgerliche Lager Rückendeckung bekommen bzw. Verständnis ernten. Oder, dass es keine gute Gegenstrategie gibt, wie man reaktionäres Gedankengut aus den Köpfen bekommt. Klar, Widerstand kann simuliert werden; je nach Orientierung mehr militant oder auch christlich mit Lichterketten. Aber strukturell wird sich weder durch das eine, noch durch das andere etwas ändern, sodass wir es eher mit einer Simulation von Subjektfähigkeit zu tun haben. Mit anderen Worten: Irgendetwas zu tun, kann eben auch die Einsicht verschleiern, dass es bislang keinen guten Hebel gegen menschenverachtende Ideologie gibt.

Warum ist das so? Manche nehmen ja an, dass der Kapitalismus gewissermaßen automatisch Nazis produziert. Dann bestünde die Lösung darin, den Kapitalismus abzuschaffen, was natürlich schwierig ist, so lange es Nazis und andere Strömungen gibt, die den Kapitalismus nicht abschaffen wollen oder gar verteidigen, zumal diese – so die Annahme – ja vom Kapitalismus produziert werden. Es ist natürlich Quatsch, dass der Kapitalismus Nazis produziert. Im Kapitalismus werden Waren produziert und das unter Verhältnissen, die sich als Konkurrenzverhältnisse beschreiben lassen. Zentrum gegen Peripherie, Arbeiterinnen unter einander, Klasse gegen Klasse und so weiter.

Nazis zeichnen sich nun dadurch aus, dass sie diese Konkurrenzverhältnisse in einer Art und Weise politisieren, die dem Nazi einen völkischen und damit quasi natürlichen Konkurrenzvorteil verspricht: Die Konkurrenz selbst wird dadurch allerdings nicht aufgehoben, sondern man gibt sich der Illusion hin, dass die völkische Welt eine heilere Welt wäre. Was die Dummbratzen nicht raffen: Gewonnen wird dadurch gar nichts, verloren wird jedoch eine Menge Menschlichkeit. Das ist wahrlich eine Tragödie mörderischen Ausmaßes.

Prost

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