Nur in der Gärbar: Stiefel-Jürgens Bier

 

Wer auf der A 2 an der Ausfahrt Beckum vorbei kommt, sollte unbedingt einen Zwischenstopp bei Stiefel-Jürgens einlegen. Die Brauerei in der Beckumer Innenstadt wurde 1680 geründet und nennt sich älteste Brauerei Westfalens und wahrscheinlich stimmt das auch. Das Bier der Wahl ist das Stiefel-Jürgens Bier, eine helle obergärige Bierspezialität. Also eigentlich ein Kölsch, wobei sich Biere ja nur Kölsch nennen dürfen, die in der Region in und um Köln herum gebraut werden. Bei ratebeer.com wird es jedenfalls als Kölsch gelistet. Eigentlich haben wir es mit einem westfälischen Alt zu tun. Wobei ein Alt-Bier auch nichts anderes als ein obergäriges Bier bezeichnet, das in aller Regel am Niederrhein oder in Düsseldorf und um Düsseldorf herum gebraut wird. Oft aber mit dunkleren Malzsorten, so dass ein dunkleres Bier entsteht. Ein Alt eben. Würde das Alt mit hellem Malz gebraut, wäre es wieder ein Kölsch, das sich aber nur Kölsch nennen darf, wenn… so klein und banal können manchmal die Unterschiede sein, die angeblich Welten trennen.

Das wirklich Besondere ist wohl bei diesem Bier, dass wir es mit einem alten Rezept zu tun haben, das sich nur durch die lokale Akzeptanz halten konnte. Die Brauerei Stiefel-Jürgens ist eine echte Familienbrauerei, die ihr Bier entweder vor Ort im Brauerei-Ausschank ins Glas füllt oder zum Mitnehmen in Flaschen abfüllt, aber auch nur (?) vor Ort gut gekühlt verkauft. Wir haben natürlich einen Kasten für uns mitgebracht.

Richtig gut gefällt uns natürlich die Geschichte mit der Oma: Im Zuge der Kriegsmobilmachung der Nationalsozialisten wurden Sudpfannen und Ähnliche Kunstwerke aus kriegswichtigen Metallen eingeschmolzen. Die Oma des aktuellen Brauers verschanzte sich in einer Sudpfanne, als diese dem Vernichtungskrieg zum Opfer fallen sollte. „Nur über meine Leiche!“, soll sie gerufen haben. Die Nazis ließen ab. Courage war also auch im NS möglich.

Das Foto zeigt das sog. Ur-Alt. Eine obergärige Bierspezialität mit dunklen Malzen, was stark an die Biere erinnert, die wir in England getrunken haben. Für die Gärbar im November haben wir aber das Helle mitgebracht, das in seinem Charakter unverwechselbar ist. Wir hatten das Stiefel-Jürgens schon vom Fass in der Gärbar – im Übrigen das einzige Fassbier, das wir jemals ausgeschenkt haben. Beim Stiefel-Jürgens bringt die eigene Hefe die besondere Note ins Bier. Getreu dem alten Spruch: „Der Brauer macht die Würze, die Hefe macht das Bier.“

Wir freuen uns schon darauf, dieses feine Bier mit euch zu probieren. Es ist ziemlich flat, wie man in England sagen würde. Die Hefenoten haben in der Nase etwas pilziges und erinnern an Camembert, über dem eine leicht frisch-fruchtige Note liegt. Im Mittelteil wechseln sich florale, hefige, würzige und floral-hefige Noten ab, also total komplex, so wie wir es mögen. Insgesamt ist es aber nicht auf Bitterkeit oder Kante gebraut, sondern auf Süffigkeit und darin unerreicht.