Pioniere der Gentrifizierung?

Ein Gespenst geht um in Bochum, das Gespenst der Gentrifizierung. In anderen Großstädten wie Berlin oder Frankfurt längst brutale Realität, soll sie nun auch die nördliche Innenstadt Bochums anheimfallen. Warum?

Zwischen Herner- und Dorstenerstraße fahren findige Kleinunternehmer/innen Gastrokonzepte, die nach Szene schmecken. Warum dort? Weil es dort relativ viel Leerstand gibt und deshalb die Mieten günstiger sind als im südlichen Innenstadtbereich. Was war vorher im Lokal vom Kugelpudel? Leerstand! Was war im Ladenlokal der Tinkhalle? Vor Ewigkeiten war dort ein kurdischer Arbeiterverein beheimatet und dann stand es einfach leer. Und wer kann sich noch erinnern, wer vor dem dem Café Eden die Räume bewirtschaftet hat? Die Goldkante ist ja auch schon länger raus.

Liebe Sorgenträger/innen: Wenn Leute mit coolen Konzepten Brachen belegen, ist das keine Gentrifizierung, sondern ein wünschenswerter Vorgang. Nicht wünschenswert ist, wenn Leute mit weniger Kapital aus einer Wohngegend zugunsten von Leuten mit mehr Kapital verdrängt werden. Auch wenn es dafür zwischen Herner und Dorstenerstr. keinerlei Anzeichen gibt: Dagegen sollten wir vorgehen.

Und wen sollte man auch für Gentrifizierung verantwortlich machen? Etwa die sog. Pioniere, die wie Ruderalpflanzen Brachen besetzen? Vielleicht ist die Sorge vor Gentrifizierung eher Ausdruck einer Krise des Politischen. Statt einem politischen Entwurf zu folgen, versuchen wir politische Dinge privat und als Lebensstil zu regeln: Wir essen vegan, kaufen nur bio, boykottieren hier und dort. Und wie soll man so gegen Gentrifizierung vorgehen? Lieber nach Wattenscheid oder Stiepel ziehen? Es möglichst ungemütlich und die Hunde auf den Gehweg kacken lassen? Gegen Gentrifizierung helfen keine gutgemeinten Vorsätze. Hier geht es um die Wohnungsfrage, die unmittelbar mit der sozialen Frage verbunden ist. Es geht also darum, in welcher Gesellschaft wir leben wollen und für welche Gesellschaft wir bereit sind zu kämpfen.

Prost

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