Bericht aus Orval

Anno Domini 2015 trug es sich zu, dass eine Urlaubsroute einen kleinen Abstecher zur Brauerei Orval zuließ, ohne einen großen Umweg zu riskieren. 2015 muss ein glückliches Jahr sein, denn schon seit mehreren Jahren versucht der Autor dieser Zeilen dort, im goldenen Tal, einzukehren, um diese einzigartige Atmosphäre zu erleben und, was noch schwerer wiegt, das Orval vert im Brauereiausschank Schutzengel (l‘Ange Gardien) zu trinken.

Unsere Reise begann in Bochum, führte über Aachen. Anschließend nimmt man die Abfahrt bei Verviers in Richtung Süden und fährt weiter über Landstraßen durch deindustriealisierte Orte. Ein Abstecher ins Tal Gottes (Val Dieu) bei Aubel wäre drin gewesen, wurde rigoros von der Reisegruppe abgelehnt. Im Norden sind die Ardennen felsig und schroff und ziemlich steil. Die Landschaft ist dadurch beeindruckend schön. Die Dörfer zeugen vom ehemaligen Reichtum, der mit der Industrie verfallen ist. Im Süden werden die Hügel runder, die die Landschaft prägen.

Nach der Abfahrt von der Autobahn nähert man sich dem Kloster in großen Schritten. Man ist gezwungen eine kleine Straße zu passieren, die durch ein Waldgebiet führt. Erste Zweifel stellen sich ein: Hier soll das Kloster liegen, wo das geliebte Orval entsteht? Am Eingang zum Tal passiert man das Brauerei-Gebäude. Nun ist auch klar, warum dies das goldene Tal ist. Das satte Oktober-Licht verleiht diesem Ort einen ganz besonderen Charakter. Bei der Ankunft begrüßen uns Schafe (oder Ziegen, wer weiß das schon so genau). Tatsächlich habe ich mir die ganze Chose ein wenig größer und touristischer vorgestellt. Im Grunde gibt es im Tal nur den Schutzengel, das Kloster und eine Straße mit Parkplätzen für die BesucherInnen, mehr nicht.

Nach allem, was man so im Feuilleton liest, ist der Rauschmittelkonsum recht stark geschlechtsspezifisch. Von diesem geschlechtsspezifischen Konsum spürt man ein deutliches Moment in Orval: Sämtliche Männer laufen dort mit einem seligen Grinsen durch die Gegend, während auffällig viele Frauen nach dem Besuch in Orval das Steuer bedienen.

Das Bier im Schutzengel schmeckt famos. Vor allem das Orval vert war wahrlich ein Genuss. Bereits das Bouquet ein Traum aus den besten Aromahopfen, die man kriegen kann. Das Bouquet ist irgendeine Mischung aus TAP 5, Störtebeker Atlantik-Ale und dem üblichen Orval, das ja ganz und gar ein unübliches Trappisten-Bier darstellt. Das Orval vert hat nur 4,5 vol. % Alc. Das ist ein wirklich niedriger Wert für ein geschmacklich so komplexes und reichhaltiges Bier. Wenn es dieses Bier im Handel in Flaschen gäbe, es bräuchte kein anderes mehr.

Vor Ort habe ich noch ein einjähriges Orval genossen. Es war nicht schlecht. Das jüngere, vor Ort gekaufte Orval bei Leibe aber auch nicht. Dieses Bier schmeckt einfach immer gut, auch wenn die Expert*innen behaupten, dass mit den Jahren die Bretts stärker durchkommen und dieses Getränkt immer besser wird. Aber was wird aus den tollen Hopfenaromen, die durchs Hopfenstopfen ins Bier gekommen sind? Sollten sie einfach der Verpflüchtigung ausgesetzt werden? Die Gärbar sagt dazu nein und bekennt sich zum frühen Genuss des Orvals!

Es ist auch gar nicht so einfach, dieses Bier so lange im heimischen Keller zu lagern. Schließlich ist es immer ein Genuss und ein kleines Orval als Absacker (sehr beliebt bei Gärbar-Treffen) geht eigentlich immer. Doch zum Glück gibt es Schwiegereltern. Sie haben vier Flaschen eingekellert und mir versprochen, sie bis zu ihrem Tod bei 15°C aufzubewahren. Ich wünsche ihnen noch ein langes Leben.

Beste Grüße und bis Freitag

Einer aus der Gärbar

Schreibe einen Kommentar