Reserviert für die Sticke Warriors – Ein kleiner Bericht vom Sticke-Tag bei Uerige

Als Schreiberling von lokal sehr begrenzten Blogs fragt man sich ja von Zeit zu Zeit, wofür man überhaupt Dinge ins Netz stellt. Dieser Blog-Eintrag hatte ganz unmittelbare Konsequenzen für den Verfasser dieser Zeilen. Aber der Reihe nach.

Der Abend am Sticke-Tag nahm fahrt auf, als ich nochmal schnell die Mails checkte. Ein Bierfreund stellte auf der Gärbar-Mailingliste eine eher technische Frage, aber eben zu jenen Blog-Eintrag, auf dem der Sticke-Tag verkündet wurde. Mir wurde heiß und kalt: Den Sticke-Tag kannte ich nur aus Erzählungen. Ich musste einfach hin, auch wenn am nächsten Tag ein harter Arbeitstag auf mit wartete. In froher Erwartung auch Bierfreunde und Freundinnen aus der Gärbar zu treffen, machte ich mich auf den Weg in die Landeshauptstadt.

Den Raumüberwindungswiderstand via Bahn zu überwinden, war dann doch nicht so einfach, wie ich es in Erinnerung hatte. Zumal ich das Smartphone aufgrund von Akku-Problemen zu Hause ließ. Ich hatte mich anscheinend mit der Abfahrtszeit vertan, jedenfalls begann der Abend damit, dass ich mir am Bochumer HBF eine halbe Stunde in der Nase bohren konnte. Wertvolle Kneipenzeit strich dahin. Als ich in Düsseldorf ankam, merkte ich mir noch Gleis und Abfahrtszeit der Rückfahrgelegenheit. Schließlich war ich ohne Internet auf mich alleingestellt (OMG).

Als ich dann an der Königsallee in Düsseldorf die Erdoberfläche betrat, ging mir auf, dass ich weder wusste, wo ich bin, noch, und was viel schlimmer wog, wo das Uerige liegt. Unter normalen Umständen hätte mich irgendeine eher unbrauchbare Navigationssoftware zum Ziel geführt. Doch nun musste ich jemanden Fragen! Jemanden nach dem Weg zu fragen, war in der Epoche vor Smartphone eine eher verbreitete Kulturtechnik. Jede hat es getan und so gut wie jede hat bereitwillig Auskunft gegeben. Ich fasst mir ans Herz und fragte die erstbeste Person nach dem Weg zum Glück. Die gefragte Person hat kurz irritiert geschaut. Ich bildete mir ein, dass sie sich fragte, ob ich kein Smartphone hätte, hat dann aber doch kompetent Antwort gegeben. So kam ich dirkt zum Ziel.

An dieser Stelle muss ich mich outen: Ich war erst zum zweiten Mal im Uerigen und brauchte erst ein wenig Orientierung. Die Anordnung der Räume ist nicht sehr rational, sondern eher verwinkelt. Das Uerige wirkt dadurch noch größer, als es in Wirklichkeit ist. Sehr gut fand ich, das keine Musik gespielt wird. Wie in der Gärbar im SZ. Denn nur so ist ein reduzierter Lärmpegel bei vollem Hause möglich, der es erlaubt ein Gespräch über Marx, die Multitude und über die Krise des Kapitalismus zu führen. Das Zentrum im Uerigen bildet die Brauanlage und die Toiletten. Insgesamt finde ich große Kneipen eh gut. In kleinen Kneipen dominieren Stammgäste den Raum und jeder „Neue“ ist gleich dem Stigma des Fremden ausgesetzt, der sich erst noch in der Gruppe bewähren muss. Große Räume haben etwas demokratisches, sofern sie gut gefüllt sind. So irrte ich durch die Räume auf der Suche nach bekannten Gesichtern aus Bochum. In jedem Raum Fehlanzeige. Die Köbes liefen mit ihren vollen Tabletts durchs die Räume und verteilten gerecht das Bier. Manche boten kleine Speisen wie Mettbrötchen feil.

Ich blieb in dem großen und hellen Raum, der einen Blick auf die Pfannen erlaubt, und stellte mich einsam an einen Stehtisch. Das erste Bier ist immer das Beste: Cremiger Schaum, würziges Bouquet, eine hönig-süße Note im Antrunk und eine wohl balancierte Hopfennote. Der Weg hat sich gelohnt.

Dann erblickte ich doch noch ein bekanntes Gesicht: Ein Bier-Liebhaber aus Köln (!) saß an dem Tisch der Sticke-Warriors. Einer Gruppe bierverrückter Amerikaner, die ihre Biertour durch Europa so legen, dass sie den Sticke Tag mitbekommen. Ich finde, dass dies die Bedeutung dieses Tages in der internationalen Bierszene ganz gut symbolisiert. Meine Kölsche Bekanntschaft hatte schon einen beachtlichen Gartenzaun auf seinem Deckel und konnte sich an unsere Bekanntschaft nicht erinnern, was mir sehr sympathisch war. Dennoch kamen wir ins Gespräch und schnell überein, dass Geuze und Lambic nur mit einer ausführlichen Anleitung kredenzt werden sollte und dass der Hype ums IPA durchaus kritisch zu beobachten sei. Schließlich sei es keine Kunst, mit modernen C-Hopfen ein komplexes Bouquet zu kreieren. Ich freue mich schon aufs nächste Kennenlernen.

Sieben Sticke später fuhr ich bierselig zurück. Weil ich die Abfahrtszeit mit Gleis 18 verwechselte, hatte ich Gelegenheit den Düsseldorfer Bahnhof etwas näher kennenzulernen. Eine triste Veranstaltung so ein Bahnhof. Unter normalen Umständen wäre ich noch rüber ins Schumacher gegangen. Draußen regnete es aber mittlerweile in Strömen, dass ich ich mich fürs Trockene entschied. Welch ein Wortwitz.

rest
Aus wertvollen Zutaten macht Ueriges gutes Bier

 

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