Sankt Martin in Bochum: Heiligenkult als Geschäft

Die meisten in der Gärbar sind krasse Atheist/innen, aber den Martin von Tours kann man ja trotzdem gut finden. Immerhin ist er der Schutzpatron der Gefangenen, der Flüchtlinge und der Armen, also allesamt soziale Gruppen, denen ein ordentlicher Schutzpatron nicht schadet. St. Martin war völlig zu Recht einer der beliebtesten Heiligen im Mittelalter und jeder Martin sollte froh sein, diesen Namen tragen zu dürfen.

Ausgerechnet die katholische Propsteikirche Peter und Paul, die den großen Martinszug in der Innenstadt veranstaltet, zieht das Ansinnen St. Martins in einer Art und Weise in den Dreck, die selbst wir nicht unkommentiert hinnehmen können. Zusammen mit dem Rotary Club Bochum ruft die Kirche in einem Flyer zu dem zentralen Zug auf. In der ersten Hälfte des kleinen Heftchens geht es ziemlich fromm zu. Die Lebensgeschichte Martins wird kindgerecht dargestellt, die Story mit dem Mantel wird erzählt und wie Martin der Bischof von Tours geworden ist. Dazu ein paar Martinslieder…

Vorne Fromm, hinten Völlerei

Blättert man weiter, so drängt sich der Eindruck auf, der Martinsumzug sei das Anhängsel einer Werbebotschaft und eine Einladung sich auf das Fest des Konsums einzustellen: Spielwarengeschäft um Spielwarengeschäft werben in dem kleinen Heftchen um die Gunst der Käuferschaft. Vorne die Tugend der Armut predigen und hinten heraus, dem Konsum anheimfallen. Dass empörende dabei ist gar nicht so sehr, dass Martin zur Werbefläche verkommt, sondern dass das niemand in der Kirche aufzufallen scheint.

Ein Prost auf den heiligen Martin von Tours

Deine Gärbar-Crew