Pfandregime

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Wir wollen beileibe nicht jammern: Aber das Pfandsystem stellt uns immer wieder vor Aufgaben, die einigermaßen viel Energie kosten. Das liegt schlicht an der Vielfalt der Flaschenformen, in die das Bier abgefüllt wird. Vielfalt finden wir grundsätzlich gut, aber in diesem Falle? Nein, keine Sorge. Wir wollen nicht der ultimativen Standardisierung das Wort reden. Eine schöne und einzigartige Flasche ist Teil des Biergenusses. Deshalb reichen wir die Falsche immer mit über die Theke. Und was wäre das Orval ohne diese schöne 0,33 l. Kegelflasche? So ist dieses Bier von der Falsche bis zum Inhalt ein echtes Unikat.

Man kann ruhig annehmen, dass der Kapitalismus zur Rationalisierung drängt und diese prinzipiell mit Standardisierung einhergeht. Bereits das Transportwesen wünscht standardisierte Packmaße, um die Flächen voll ausschöpfen zu können. Und tatsächlich: Jeder vermeidbarer Hohlraum drückt nicht nur die Profitmaximierung, sondern schont auch Ressourcen. Dennoch: Wir finden die Flaschenvielfalt so gut, wie die Vielfalt der Gläser in belgischen Kneipen.

Die Flasche ist eine Designfrage, aber auch eine Frage des Trinkflows. Nehmen wir mal das TAP 5. Dieses Bier ist eines der besten Biere überhaupt, geht aber in der Gärbar nur mäßig gut über die Theke. Am Inhalt kann es nicht liegen, am Publikum auch nicht. 😉 Wir sind fest davon überzeugt, dass das TAP 5 in einer schicken 0,33l. Longneck-Flasche gehen würde wie geschnitten Brot. Aber höchstwahrscheinlich kann das die Abfüllanlage von Schneider nicht oder die Bayern haben keinen Bock auf kleine Portionen. Der Zusammenhang von Trinkflow und Flasche sollte nicht unterschätzt werden. Immerhin scheint die Einführung der Bügelflasche (wiederverschließbar, irgendwie retro) in den 90er Jahren, der Fiege Brauerei den Arsch gerettet zu haben. Unterm Strich: Wir wollen keine Flascheneinfalt, weil Flaschenvielfalt und Biervielfalt unmittelbar einhergehen.

Dennoch nerven uns die Nebenwirkungen der Vielfalt. Das führt nämlich dazu, dass das Pfandmanagement der Gärbar eine Angelegenheit für SpezialistInnen ist. Manche Flasche aus dem Gärbar-Keller muss nach Belgien, Holland oder „nur“ an den Niederrhein gefahren werden, um abgegeben werden zu können. Dann gibt es Getränkehändler, die recht großzügig mit der Flaschenannahme sind, aber sich bei den Rahmen anstellen. Die Ritterguts-Gose zum Beispiel kann man in der Nähe nirgends kaufen. Was sollen wir mit den Rahmen machen? Blumentopfhalter basteln? Wir finden, es ist die Aufgabe des Handels, es zu übernehmen, dass jede Falsche und jeder Rahmen überall abgegeben werden kann. Denn nur so funktioniert ein Pfandsystem. Am besten europaweit.

Das klingt irgendwie nach einer irrationalen Forderung? So als könne man das nicht erwarten? Höchstwahrscheinlich ist das auch so. Höchstwahrscheinlich passt Vielfalt und Kapitalismus nicht so recht zusammen. Ein Grund mehr ihn abzuschaffen.