Brew Dog – die „Punk – Brauerei“ mit einem wirklich punkigen Move

Über die Craft Beer Revolution unter der Knute des Kapitals hatten wir schon einen entsprechenden Artikel, und natürlich sehen wir die Entwicklung auf dem Craft Beer Sektor durchaus auch kritisch.


Die “Punk-Rebellen-Brauer” aus der schottischen Brew Dog Brauerei sind in den vergangenen Jahren immer mal wieder in die Kritik geraten: Ausverkauf von Idealen zugunsten von Wachstum und wegen der  Preisgestaltung. Nun überraschten Martin und James mit einem Blogeintrag, der wirklich Punk ist: Sie haben die Rezepte all Ihrer Biere für die Home Brew – Freund*innen da draußen unter dem Motto DIY DOG als Download zur Verfügung gestellt.

Und aller Kritik zum Trotze: die Jungs haben ein paar wirklich hervorragende Biere im Sortiment, die wir das eine oder andere Mal auch schon im GärBar-Kühlschrank hatten!

Das ganze haben Sie mit einem schönen Video verknüpft. Ich werde dies als Anlass nehmen, das ganze morgen auf meiner kleinen Dublin-Reise nicht mit einem Guiness, sondern mit einem Brew Dog zu feiern!

 

Glyphosat im Bier: die Mediendiskurs-Schlacht nimmt Fahrt auf

Das Münchener Umweltinstitut hat die 14 umsatzstärksten Biermarken Deutschlands auf Rückstände des Pestizids Glyphosat untersucht und ist in allen Proben fündig geworden. Glyphosat steht unter dem Verdacht krebserregend zu sein. Die Wissenschaft streitet noch über die Gefahren. Statt anzuerkennen, dass noch Forschungsbedarf besteht, lanciert der Deutsche Brauer Bund in einer Pressemitteilung, dass die gefundenen Mengen völlig unbedenklich seien und beruft sich dabei auf das Bundesinstitut für Risikobewertung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung forscht für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es steht unter Verdacht, Studien zum Risiko von Glyphosat nur sehr selektiv wahrzunehmen. Beide Einrichtungen sind wiederum eng verstrickt mit der Ernährungsindustrie. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Wie schädlich ist Glyphosat?

Zur Zeit prüft die EU die Zulassung für Glyphosat. Die WHO stuft dieses Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. In Argentinien kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass sich dort embryonale Fehlbildungen und andere schwerwiegende Krankheiten seit dem großflächigen Einsatz von Glyphosat  häufen. In der EU gehen Studien von einer Unbedenklichkeit aus. Allerdings sind diese Studien mit Vorsicht zu genießen: Sie sind allesamt von der Ernährungs- und Düngeindustrie in Auftrag gegeben worden. Vor allem die Bauern schätzen das Pflanzengift sehr, weil es Zeit und Geld spart. Um es einsetzten zu können, müssen genetisch manipulierte Pflanzen angebaut werden, die resistent gegen Glyphosat sind. Alle anderen Pflanzen werden abgetötet.

Ob nun krebserregend oder nicht, mag im alkoholhaltigen Bier eher zweitrangig erscheinen. Hier geht es um ein ganz grundlegendes Prinzip des Ackerbaus unter kapitalistischen Bedingungen: Profite werden privat eingefahren, während Nachteile für die Umwelt (und damit auch für uns) vergesellschaftet werden. Denn eines ist sicher: Der Biodiversität tut ein Herbizid niemals gut. Der Verlust von Biodiversität und dessen langfristige Folgen (und ihre Umkehrbarkeit) sind bei komplexen Öko-Systemen kaum zu prognostizieren.

Nur eines ist sicher: Die Wahrheit bleibt auf der Strecke

Der Befund des Umweltinstitutes München wurde zunächst von der Presse als Skandal aufgenommen. Pflanzengift im dt. Bier, das darf nicht sein, auch wenn sich Pestizide auf Obst und Gemüse finden lassen. Dass Glyphosat auch schon im Brot gefunden wurde, wird in den skandalträchtigen Meldungen ebenfalls  nicht erwähnt. Ob hier die Öffentlichkeitsstrategie des Umweltinstituts München aufgeht, wird sich zeigen. Der Deutsche Brauer Bund fährt jedenfalls harte Geschütze auf: Die Studie sei unseriös und die unseriös gefundenen Rückstände unbedenklich. Käme das Bundesinstitut zu einem anderen Ergebnis, würde das die gesamte unökologische Landwirtschaft in Frage stellen. Das will im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung nun wirklich niemand.

Die Medien machen mit beim Öko-Bashing. Zum Beispiel die FAZ. In einem Kommentar beruft sie sich dabei auf die Reputation des Bundesinstitutes für Risikoforschung. Entweder hier hat jemand seinen Job (=Recherche) nicht erledigt oder eben doch. Jedenfalls bringt nur eine oberflächliche Recherche die unrühmliche Rolle des Bundesinstituts in Bezug auf Glyphosat zu Tage.