Wie findet ihr eigentlich Oettinger Pils?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Oettinger braut kein schlechtes Pils. Im Gegenteil: Jedes Mal wenn ich ein Oettinger Pils bei dem Schwiegervater trinken muss, bin ich positiv überrascht: schaumstabil, gold-gelbe Farbe, Bouquet stilgetreu, das Hopfenaroma würzig und deutlich herb. Was will man mehr von einem Pils?

Trotzdem hat es die Frage in sich und kann gar nicht vollkommen zufriedenstellend beantwortet werden: Zu sagen, dass das Oettinger Bier schlecht sei, hätte doch etwas Snobistisches. Und außerdem machte man sich wahrscheinlich verdächtig, vom Preis und dem schlichten Design des Etiketts in unzulässigerweise auf die Qualität des Inhalts zu schließen. Irgendwie wäre das nicht objektiv, oder? Würde man das Oettinger über Gebühr loben, wäre es auch nicht recht. Kann das kommerziell erfolgreichste Bier der BRD wirklich gut sein? Kommerz und Qualität sind doch irgendwie am Ende widersprüchliche Konzepte.

Dabei ist man mit einem Negativ-Urteil in bester Gesellschaft: Bei ratebeer schneidet das Oettinger Pils nicht gerade gut ab. Im Durchschnitt kommt das Oettinger auf einen Wert von 2,33, wobei hier eine Fünfer-Skala zugrunde liegt. Zum Vergleich: Das beste Bier der besten Biere, das Westvleteren, erreicht hier einen Wert von 4,4. Das schlechteste Bier erreicht einen Wert von 1,08. Insbesondere im Stilvergleich erreicht das Oettinger Pils 17 von 100 möglichen Punkten. Das ist eigentlich zu wenig für ein solch solides Pils. Woran liegt das?

Wir haben es ja schon an anderer Stelle deutlich gemacht: Wir finden Biere gut, zu denen sich was erzählen lässt. Wir schmecken also nicht nur mit der Zunge, sondern auch mit dem Bauch. Die meisten Menschen schmecken aber auch mit dem Portemonnaie: Im Rahmen einer Studie, die leider nicht mehr zitierbar aufgefunden wurde, wurden Versuchsgruppen zwei Weine zur Verkostung vorgelegt. Ein teurer Wein und Billigwein. Was die Teilnehmer der Studie nicht wussten: In beiden Proben befand sich der gleiche gute Tropfen. Und welche Probe hat wohl deutlich besser abgeschnitten? Ebend. Und es ist wohl tatsächlich so, dass die Probanden die Weine tatsächlich auch sensorisch unterschiedlich wahrgenommen haben, weil unsere marketinggefickten Gehirne so programmiert sind.

So ist es meines Erachtens auch beim Oettinger-Pils. Es ist keinesfalls schlechter als Veltins. Veltins erreicht aber mit 48 Punkten auf ratebeer mehr als doppelt so viele Punkte im Stilvergleich wie das Oettinger-Pils. Auch im Durchschnitt scheidet es mit einem Wert von 2,78 besser ab als das Oettinger. Aber wenn es nach mir ginge: Ich würde im SZ-Kühlschrank lieber Oettinger sehen als Veltins. Aber es ist halt ein Billigbier und das löst bei den meisten Menschen sogleich negative Erwartungen aus.

Prost

Einer aus der Gärbar