Wovon wir reden, wenn wir von Bier reden

In der Alles Gärbar bekommst du ein beachtliches Portfolio an guten Bieren. Mit dabei sind ein paar Biere, die man in der Region eigentlich nirgends bekommt (falls wir uns irren, lasst es uns wissen!), wie zum Beispiel die Biere von Giradin.  Auch wenn es ein wenig selbstreferenziell und damit potenziell verdächtig ist: Wir selbst freuen uns über die von uns zusammengestellte Bierauswahl wohl am meisten. Im näheren und weiteren Umkreis von Bochum bekommt man nirgends so gute Biere.

Zunächst unterscheiden wir gerne zwei Typen von Bieren: Die langweiligen und die guten. Ein Lager hat gute Chancen, unter die Kategorie langweilig zu fallen. Lager-Biere dominieren  den örtlichen Bier-Markt: Beim üblichen Getränkehändler bekommt man eigentlich nur Pils und Export. Die obergärige Bierlandschaft sieht ziemlich Bescheiden aus: Weizen-Bier und die regional ziemlich eingeschränkt verbreiteten Biere Alt und Kölsch. Wobei sich größere Kölsch-Brauereien eben auch ziemlich am Lager orientieren. Das Problem beim Fernseh-Lager ist, dass diese Biere der Großbrauereien nicht für den Geschmack oder die Komplexität gebraut werden, sondern für den Umsatz. Sprich: Die Biere werden so gebraut, dass sie möglichst vielen Leuten nur nicht nicht schmecken. Deshalb fehlt diesen Bieren jegliche Kante, die es in unseren Augen jedoch braucht, um interessant zu sein.

Ein Lager-Bier haben wir übrigens im Angebot: Das Pilsss vom Brauprojekt 777. Es hat das Prädikat „Ein gutes Bier für diesen Stil“. Und so ist es auch: Für ein Lager „Chapeau!“ Was aber uns noch wichtiger ist: Zu diesem Bier lässt sich eine schöne Geschichte erzählen. Ein Bier-Projekt, das aus einem Mofa-Club entstanden ist, muss doch einfach lobend erwähnt werden. Zumal das Brauprojekt 777 am Niederrhein liegt und auch gute Ales im Angebot hat.

Viele unserer Gäste haben in Alles Gärbar ein Aha-Erlebnis: Eine schöne Hopfenblume in der Nase oder das Prickeln der Geuze auf der Zunge. Nach und nach erschließt sich eine neue Welt vielfältiger Aromen und Nuancen. Bier kann eben mehr als die übliche Lager-Plörre aus dem Supermarkt.

Weil an der Theke schon danach gefragt wurde, noch ein Wort zum sog. Reinheitsgebot. Das Reinheitsgebot ist ein gar nicht so schlechter Marketing-Gag. Wer immer noch glaubt, dass bei Bieren nach Reinheitsgebot nur Malz, Hopfen, Wasser und Hefe verbraut werden darf, sollte sich diesen Artikel mal anschauen. Staunen garantiert. Klaro, auch wir wollen  kein synthetisches Zeug im Bier. Wer jedoch glaubt, dass das Reinheitsgebot davor bewahrt, hat sich getäuscht.

Bereits die Malz-Hopfen-Wasser-und-Hefe-Nummer ist ja Quatsch. Der Brau-Meister von der Vormann-Brauerei hat es mal in einem Interview mit der WAZ vor ein paar Jahren mal gut auf den Punkt gebracht: Was soll daran unrein sein, wenn man Früchte im Bier fermentiert?

Wir halten das Dogma des Reinheitsgebots eh für eine überflüssige Einschränkung der Kreativität der Brauer und Brauerinnen. Wer schon mal Koriander zwischen den Händen zerrieben hat, kann sich bestimmt gut vorstellen, wie gut dieses Gewürz zum Hopfen passt. Holunderblüten geben dem Bier ein unglaublich florales Aroma, why not?

Über gutes Bier lässt sich viel reden. Und das funktioniert am besten in der Kneipe.

Jeden ersten Freitag im SZ Bochum