Wie hältst du es mit dem Religiösen?

In der Gärbar greifen wir gerne religiöse Anspielungen auf. So hatten wir schon ein Sankt Martin Spezial oder auch im Dezember ein Nikolaus Spezial. Nun also ein Advent Spezial. Zugegeben: Die Gefahr, dass wir als abgefuckte Punks des religiösen Umtriebes verdächtigt werden, ist ziemlich gering, auch wenn es min. einen Agnostiker in der Crew gibt (Will sich wohl alle Optionen offen halten. Aber das funktioniert nicht. Anmerkung der Setzer). Auch das SZ ist als Wirkungsstätte des organisierten Atheismus bekannt. Alles also unverdächtig und voller ironischem Augenzwinkern, der schönen Abteibiere zum Trotz.
Wenn es allzu unverdächtig zugeht, sollte die Aufmerksamkeit geschärft werden. Denn hinter der vordergründig aufgeklärten Zurückweisung der Religion, kann sich selbstredend das Religiöse verstecken. Das würde im schlimmsten Falle bedeuten, dass wir den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Wenn wir, was wir ablehnen, durch das Hintertürchen wieder einführen, wird damit die Chose weniger kontrollierbar. Nicht so gut.
Nehmen wir doch mal Gott. Gott war im Mittelalter eine echte Bank. Wer nicht krank werden wollte, zündete eine Kerze an, sprach ein gutes Gebet und war voller Hoffnung. Heutzutage mag es so sein, dass wir durch den Park rennen, darum voller Hoffnung sind und am Ende mit Flugzeug abstürzten (Luhmann). Gott wurde ersetzt: durch die Natur, aber auch durch die Gesellschaft. Gesellschaft wird als wirkende Kraft etwa von traditionellen MarxistInnen so stark gemacht, dass ihre Lehre vom Lauf der Geschichte der christlichen Prädestinationslehre ebenbürtig ist.
Gott ist tot oder aber zumindest überflüssig! Selbst diejenigen, die in den Gemeinden aktiv sind, führen dafür durchaus weltliche Motive an. Dennoch hat Gott durchaus seine Wiedergänger, die ihren Ausdruck in den diversen Überzeugungen finden, die als „absolute Wahrheit“ vorgetragen werden. Ob diese Vielgötterei in Form von Zombies gut ist oder schlecht, ist kaum zu sagen. Aber: Mit dem Monotheismus wurde die Unterscheidung zwischen wahr und falsch eingeführt und damit Gewalt gerechtfertigt. Polytheistische Gesellschaften sollen im Vergleich zu monotheistischen Gesellschaften ja die friedlicheren und toleranteren sein, weil sie die Vielfalt quasi in die gesellschaftliche DNA eingraviert haben. Das ist auch so ungefähr der religiöse Geist der Gärbar.

Prost
Deine Gärbar-Crew

English Ales – ein Reisebericht in der Ich-Perspektive (Lobhudelei)

„Wir fahren nach England und ich freue mich schon auf das englische Bier.“, erzählte ich meinem Nachbarn. „Englisches Bier? Das ist ja e-kel-haft. Warm und schal. Einfach ungenießbar.“ Ich ließ das mal so stehen. Jedenfalls freute ich mich auf England. Und vor allem auf die Pubs und auf die Ales. Ich habe sogar auf die Anschaffung eines neuen Rennrades verzichtet, mit dem Vorsatz die Hälfte dessen, was das Rad gekostet hätte, zu versaufen. Es stand also ein Betrag von rund 600 € zur Verfügung.

Ich hatte noch kein schlechtes Bier von der Insel getrunken. Zugegeben ist die Auswahl britischer Biere in Bochum nicht sehr groß. Es gibt neben Newcastel Ale (vielleicht habe ich doch schon ein schlechtes englisches Bier getrunken, aber schon lange her) manchmal Bishops Finger, Spritfire und Abbot zu kaufen. Aber zu Unsummen. Deshalb halte ich mich eher ans Düsseldorfer Alt (Schumacher, Uerige), wenn mir nach einem Ale ist, das man auch in einem englischen Pub als lokale Spezialität verkaufen könnte.

In den 90er Jahren gab es in GB Bestrebungen, billiges Lager an die Taps zu bringen. Dagegen formierte sich die Campaign for Real Ale, kurz CAMRA. Ein Bierfreund brachte mir noch am Tag der Abreise in aller Herrgottsfrühe CAMRA’S Good Bottled Beer Guide und CAMRA’S Good Beer Guide vorbei, damit wir, wie er meinte, nicht die Orientierung verlören. Die Kampagne war recht erfolgreich. Zwar bekommt man in den Pubs auch billiges Lager, aber immer auch lokale Ales, die, wie es sich gehört, ins Pint gepumpt werden.

In England gibt es einen echten Unterschied zwischen Fass- und Flaschenbier, den jede sofort schmeckt. Gezapftes Bier ist flat, was am besten mit still übersetzt werden kann. Im Idealfall ist es nicht pasteurisiert. Es bleibt dem Wirt überlassen, den Reifeprozess zu beobachten und den richtigen Zeitpunkt für den Ausschank auszuwählen. Es kann also sein, dass ein Bier aus der gleichen Brauerei in unterschiedlichen Pubs je nach Lagerung unterschiedlich schmeckt. Fantastisch.

Vor meinem ersten Pub-Besuch in Bidefort war ich ein wenig aufgeregt. Da man in England das Bier an der Theke bestellt (wie in der Gärbar also), erregten wir unmittelbare Aufmerksamkeit. Es sprach sich wohl schnell herum, dass Deutsche explizit nach lokalen Bieren gefragt hätten. So kamen wir schnell ins Gespräch mit den Leuten und quatschten über Knödel, Brexit und eben britisches Bier.

Im Glas hatte ich ein Otter Bitter. Das Zeug hat nur 3,6 Vol. Prozent und ist eine wahrhafte Aromenwiese. Richtig gutes Zeug. Das sollten sich die ganzen Craft-Bier-Hippster-Yuppies mal hinter die Ohren schreiben: Gute Biere verstecken den Alkohol, bessere Biere kommen ohne hohe Prozentwerte aus.

Bidefort hatte schon bessere Zeiten erlebt, das sieht man der Stadt direkt an. Dennoch gibt es vor Ort eine kleine Brauerei, die ein paar örtliche Pubs beliefert. Wir haben einen Tipp bekommen, wo das Jellyboat ausgeschenkt wird. Dieser Pub hatte eher Jugendheim-Charakter, was durch den Billard-Tisch noch verstärkt wurde, und muss der lokalen Alternativ-Szene als Treffpunkt dienen. Dennoch machte das Publikum, wie in allen Pubs, keinen homogenen Eindruck. Ein paar ältere Leute saßen an der Theke neben ein paar Freaks und ein paar jüngere Gäste spielten Billard. Die Szene fügte sich in das Bild, das gerne von Pubs verbreitet wird: Im Pub trifft sich Hinz und Kunz (ähnlich wie in der Gärbar, wo das Publikum auch eher heterogen ist). Das Jellyboat selbst roch nach Butterkeks. Butteraromen gilt hierzulande als Fehlton und ist im Bier unerwünscht. Das galt aber für Bretanomices auch mal. Der Fehler von Heute kann also zum Trend von Morgen werden. Mir hat dieses Bitter jedenfalls gut geschmeckt.
Im nächsten Pub probierte ich ein Proper Job. Das Proper Job ist ein britisches IPA mit 5, 5 Prozent und hat sich wohl zu meinem britischen Lieblingsbier gemausert. Es hat eine schöne Nase, ist fein bitter und schmeckt sowohl aus der Flasche als auch aus dem Fass. Bislang dachte ich, dass IPA so bei 6 Vol. Prozent starten. Ich wurde eines besseren belehrt. Auf der Insel fangen IPA, so ist es im CAMRA’S Good Botteled Beer Guide nachzulesen, ab 4, 8 Vol. Prozent an. Und wiedereinmal ging ein liebgewonnenes Koordinatensystem von Schubladen zu Bruch.

„Drink up, please!“, forderte Caroline ihre Gäste auf. Die Sperrstunde nahte. Eigentlich ist sie ja abgeschafft, aber es müssen wohl Lizenzen erworben werden, um länger geöffnet zu haben, was sich anscheinend für viele Pubs nicht lohnt. So bleibt die Sperrstunde für viele Pub-Besucher erhalten. Eingeführt wurde sie ursprünglich, um die Arbeitsfähigkeit der Arbeiterklasse nach dem Zechen zu gewährleisten. Mittlerweile ist sie den Sicherheitsbehörden ein Dorn im Auge. Weil in den Großstädten viele Besoffene zur gleichen Zeit den Pub verlassen und sich an U-Bahnhöfen oder Imbissen begegnen, kommt es oft zu Schlägereien. Es ist wie so oft im Leben. Man meint ein Problem gelöst zu haben und hat sich mindestens doppelt so viele geschaffen.

Die Bierauswahl in einem größeren Supermarkt ist fantastisch. Wie heißt es in CAMRA’s Good Bottled Beer Guide: „Shopping for good bottled beer has never been easier. The major supermarkets now offer a wide varierty of beers“ (S. 405). Im Supermarkt gibt es die Biere im Massenrabatt. Vier Flaschen a 0, 5l. für 6 Pfund. Ein Bier kostest somit ca. 1, 95 Euro. Es gibt auch Craft-Beer von der Insel und Importe aus den USA oder auch Island auch zum Kurs 4 für 6. Allerdings wird das Craft-Beer in 0, 33 l. Flaschen abgefüllt. Aber wer braucht schon ein neues IPA aus den USA, wenn britische Originale daneben stehen?

Leider habe ich es nicht geschafft die 600 € zu versaufen. Dafür stand zu oft hartes Wandern auf dem Programm der Feriengemeinschaft. Auch wenn es mein Nachbar nicht nachvollziehen kann: Bislang dachte ich, dass in Belgien die besten Biere der Welt gebraut werden. Die Belgischen Brauer(innen) haben es zugebender Maßen wirklich drauf, hohe Prozentwerte im Bier zu verstecken. Englische Ales kommen ohne viel Volumenprozent aus. Chapeau!

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Craftbeer seit 1862

Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern
Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern

Das Plakat, auf dem im Uerige darauf hingewiesen wird, das man bereits seit 1862 Craftbeer mache, wirkt ein wenig trotzig. Die Botschaft ist eindeutig: Wir bleiben uns treu und haben schon gutes, handwerkliches Bier gemacht, als es „Krafft-Bier“ noch gar nicht gab. Wir finden es gut und richtig, dass mit der Craftbeer-Welle kleinere und kreative Brauer_innen mitschwimmen können und so die Bierlandschaft bereichern. Aber wir teilen tendenziell den Duktus des Plakats: Traditionsreiche Brauereien, wie zum Beispiel Girardin aufzuspüren, die der allgemeinen Lagermode trotzig ausgeharrt und ihr Ding durchgezogen haben, hat seinen eigenen Reiz.

Genauer betrachtet offenbart das Plakat jedoch eine gewisse Widersprüchlichkeit, die dem Label Craftbeer generell zu eigen scheint. Auf dem Plakat ist das Uerige Doppelsticke zu sehen. Dieses Bier wird seit 2005 für den amerikanischen Markt gebraut. In Düsseldorf hat man also die Zeichen recht früh für diesen kleinen, aber recht kaufkräftigen Craftbeermarkt erkannt.

Es geht also mehr um die Inszenierung von Authentizität und das funktioniert nach dem gleichen ideologischen Muster, nach dem sich das Reinheitsgebot als „rein“ inszeniert. Es bedarf der Konstruktion eines illegitim Anderen. Im Falle des Craftbeers ist es das industrielle Massenbier. Diese Gegenüberstellung von Qualität bzw. Genuss und Quantität bzw. Rausch (als ob wir das gute Zeug nur für den reinen Genuss trinken würden) schafft erst das Produkt, das der kaufkräftigen Mittelschicht so gut schmeckt. Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang von immaterieller Arbeit im Sinne Antonio Negris sprechen, weil der Wert der Ware vor allem ein Produkt kommunikativer Akte darstellt, welche angereichert werden durch eine verstetigte, positive Selbstkonditionierung, die sich in der Jagd auf das neue tolle, extravagante Bier manifestiert.

Viel Spaß dabei.

In Eurer
Gärbar

Pfandregime

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Wir wollen beileibe nicht jammern: Aber das Pfandsystem stellt uns immer wieder vor Aufgaben, die einigermaßen viel Energie kosten. Das liegt schlicht an der Vielfalt der Flaschenformen, in die das Bier abgefüllt wird. Vielfalt finden wir grundsätzlich gut, aber in diesem Falle? Nein, keine Sorge. Wir wollen nicht der ultimativen Standardisierung das Wort reden. Eine schöne und einzigartige Flasche ist Teil des Biergenusses. Deshalb reichen wir die Falsche immer mit über die Theke. Und was wäre das Orval ohne diese schöne 0,33 l. Kegelflasche? So ist dieses Bier von der Falsche bis zum Inhalt ein echtes Unikat.

Man kann ruhig annehmen, dass der Kapitalismus zur Rationalisierung drängt und diese prinzipiell mit Standardisierung einhergeht. Bereits das Transportwesen wünscht standardisierte Packmaße, um die Flächen voll ausschöpfen zu können. Und tatsächlich: Jeder vermeidbarer Hohlraum drückt nicht nur die Profitmaximierung, sondern schont auch Ressourcen. Dennoch: Wir finden die Flaschenvielfalt so gut, wie die Vielfalt der Gläser in belgischen Kneipen.

Die Flasche ist eine Designfrage, aber auch eine Frage des Trinkflows. Nehmen wir mal das TAP 5. Dieses Bier ist eines der besten Biere überhaupt, geht aber in der Gärbar nur mäßig gut über die Theke. Am Inhalt kann es nicht liegen, am Publikum auch nicht. 😉 Wir sind fest davon überzeugt, dass das TAP 5 in einer schicken 0,33l. Longneck-Flasche gehen würde wie geschnitten Brot. Aber höchstwahrscheinlich kann das die Abfüllanlage von Schneider nicht oder die Bayern haben keinen Bock auf kleine Portionen. Der Zusammenhang von Trinkflow und Flasche sollte nicht unterschätzt werden. Immerhin scheint die Einführung der Bügelflasche (wiederverschließbar, irgendwie retro) in den 90er Jahren, der Fiege Brauerei den Arsch gerettet zu haben. Unterm Strich: Wir wollen keine Flascheneinfalt, weil Flaschenvielfalt und Biervielfalt unmittelbar einhergehen.

Dennoch nerven uns die Nebenwirkungen der Vielfalt. Das führt nämlich dazu, dass das Pfandmanagement der Gärbar eine Angelegenheit für SpezialistInnen ist. Manche Flasche aus dem Gärbar-Keller muss nach Belgien, Holland oder „nur“ an den Niederrhein gefahren werden, um abgegeben werden zu können. Dann gibt es Getränkehändler, die recht großzügig mit der Flaschenannahme sind, aber sich bei den Rahmen anstellen. Die Ritterguts-Gose zum Beispiel kann man in der Nähe nirgends kaufen. Was sollen wir mit den Rahmen machen? Blumentopfhalter basteln? Wir finden, es ist die Aufgabe des Handels, es zu übernehmen, dass jede Falsche und jeder Rahmen überall abgegeben werden kann. Denn nur so funktioniert ein Pfandsystem. Am besten europaweit.

Das klingt irgendwie nach einer irrationalen Forderung? So als könne man das nicht erwarten? Höchstwahrscheinlich ist das auch so. Höchstwahrscheinlich passt Vielfalt und Kapitalismus nicht so recht zusammen. Ein Grund mehr ihn abzuschaffen.

Gärbar in Belgien

Die Gärbar-Crew und ein paar FreundInnen waren mal wieder im schönen Belgien – natürlich auch um Bier zu kaufen. Mittlerweile hat die Frühlingsfahrt Tradition: Das Herver Land ist so eine Art Geburtsstätte für die Gärbar. Damals war belgisches Bier noch der ganz heiße Scheiß und höchstens bei Manufaktum zu bekommen. Wir hatten damals ebenfalls in Aubel bei Stassen Bier gekauft und mit hübsch formulierten Texten unseren FreundInnen auf Geburtstagspartys kredenzt. Die Gärbar fühlt sich tatsächlich so ähnlich an, wenn es nicht zu voll ist.

Diesmal haben wir ein Experiment gewagt: Wir waren bei Colruyt, um ein paar Standardbiere zu besorgen und vor allem das Val Dieu Bier recht günstig einzukaufen. Im Auto meinte wer, dass dieser Laden das Aldi-Prinzip auf die Spitze treibe. Einhellige Meinung: Die Einschätzung war maßlos untertrieben. Wo gespart werden kann, wird bei Colruyt gespart, zum Beispiel hat die Tiefkühle keine Fester. Die Produkte sind auf die Türen geklebt.

Die Foto-Impressionen beginnen in Aubel, zeigen dann das Kloster und geben ein paar Eindrücke von der ebenso traditionellen Wanderung durch die schöne Heckenlandschaft – Bierprobe inklusive.

 

Willkommen im Gärspace

Bereits im letzten Editorial haben wir den Graswurzelgedanken angesprochen: Die Gärbar ist kein kommerzieller Schankbetrieb, sondern der Abend wird erst durch das gesamte Setting spannend. Er lebt vor allem durch seine Gäste. Um dem Graswurzelgedanken noch mehr Raum zu geben, haben wir den Gärspace eingerichtet. Der Gärspace ist eine kleine Ecke im SZ am Abend der Gärbar, in der Du deine Gärprodukte anbieten und/oder mit anderen Leuten ins Gespräch über Gärung kommen kannst. Hier können Erfahrungen rund um das Thema Fermentation weitergeben und ausgetauscht werden. Wir denken, dass dieses Wissen zum Beispiel auch für Foodsharing-Projekte spannend sein kann, weil durch die Gärung Lebensmittel haltbar gemacht werden und so weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen. Außerdem: Wer gärt, stellt oft größere Mengen her, weil es sich sonst nicht so recht lohnt. Überschüsse könnt Ihr im Gärspace verschenken oder tauschen.

Have a lot of fun in the gärspace!

Prost

Eure Gärbar-Crew

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Eine Hommage an die Bierkultur von unten

Nicht alle, die zum ersten Mal in die Gärbar kommen, wissen, dass wir gar keine kommerzielle Kneipe sind. Die Leute, die hinter der Theke stehen, betreiben das als Hobby. Wir sind gerne GastgeberInnen und freuen uns, wenn sich unsere Gäste freuen. Noch schöner finden wir es aber, wenn sich das Verhältnis diesseits und jenseits der Theke auflöst oder zumindest in produktiver Art und Weise verschwimmt. Was ist damit gemeint? Ganz generell finden wir, dass wir alle die Gärbar machen. Zum Beispiel wäre sie ohne das SZ nicht möglich. Na klar, es gibt die Crew, die die Karte zusammenstellt und das Bier ausgibt usw. Aber der Abend wäre nichts ohne die Menschen, die vor der Theke stehen. Noch besser wird das Ganze, wenn Leute von euch auf die Idee kommen, sich einzubringen. Der heutige Abend (und auch schon der letzte) wäre nicht denkbar gewesen ohne die Initiative von Guido. Auch in der Vergangenheit hatten wir schon Biere auf der Karte, bei denen „Gäste“ gesagt haben, dass ihnen ein Forum gebührt. Dass wir das richtig gut finden, versteht sich von selbst: Schöner kann der Graswurzelgedanke nicht gelebt werden.

Wir freuen uns auf Biere aus Litauen.

Prost

Eure Gärbar-Crew

Brew Dog – die „Punk – Brauerei“ mit einem wirklich punkigen Move

Über die Craft Beer Revolution unter der Knute des Kapitals hatten wir schon einen entsprechenden Artikel, und natürlich sehen wir die Entwicklung auf dem Craft Beer Sektor durchaus auch kritisch.


Die “Punk-Rebellen-Brauer” aus der schottischen Brew Dog Brauerei sind in den vergangenen Jahren immer mal wieder in die Kritik geraten: Ausverkauf von Idealen zugunsten von Wachstum und wegen der  Preisgestaltung. Nun überraschten Martin und James mit einem Blogeintrag, der wirklich Punk ist: Sie haben die Rezepte all Ihrer Biere für die Home Brew – Freund*innen da draußen unter dem Motto DIY DOG als Download zur Verfügung gestellt.

Und aller Kritik zum Trotze: die Jungs haben ein paar wirklich hervorragende Biere im Sortiment, die wir das eine oder andere Mal auch schon im GärBar-Kühlschrank hatten!

Das ganze haben Sie mit einem schönen Video verknüpft. Ich werde dies als Anlass nehmen, das ganze morgen auf meiner kleinen Dublin-Reise nicht mit einem Guiness, sondern mit einem Brew Dog zu feiern!

 

Glyphosat im Bier: die Mediendiskurs-Schlacht nimmt Fahrt auf

Das Münchener Umweltinstitut hat die 14 umsatzstärksten Biermarken Deutschlands auf Rückstände des Pestizids Glyphosat untersucht und ist in allen Proben fündig geworden. Glyphosat steht unter dem Verdacht krebserregend zu sein. Die Wissenschaft streitet noch über die Gefahren. Statt anzuerkennen, dass noch Forschungsbedarf besteht, lanciert der Deutsche Brauer Bund in einer Pressemitteilung, dass die gefundenen Mengen völlig unbedenklich seien und beruft sich dabei auf das Bundesinstitut für Risikobewertung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung forscht für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es steht unter Verdacht, Studien zum Risiko von Glyphosat nur sehr selektiv wahrzunehmen. Beide Einrichtungen sind wiederum eng verstrickt mit der Ernährungsindustrie. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Wie schädlich ist Glyphosat?

Zur Zeit prüft die EU die Zulassung für Glyphosat. Die WHO stuft dieses Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. In Argentinien kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass sich dort embryonale Fehlbildungen und andere schwerwiegende Krankheiten seit dem großflächigen Einsatz von Glyphosat  häufen. In der EU gehen Studien von einer Unbedenklichkeit aus. Allerdings sind diese Studien mit Vorsicht zu genießen: Sie sind allesamt von der Ernährungs- und Düngeindustrie in Auftrag gegeben worden. Vor allem die Bauern schätzen das Pflanzengift sehr, weil es Zeit und Geld spart. Um es einsetzten zu können, müssen genetisch manipulierte Pflanzen angebaut werden, die resistent gegen Glyphosat sind. Alle anderen Pflanzen werden abgetötet.

Ob nun krebserregend oder nicht, mag im alkoholhaltigen Bier eher zweitrangig erscheinen. Hier geht es um ein ganz grundlegendes Prinzip des Ackerbaus unter kapitalistischen Bedingungen: Profite werden privat eingefahren, während Nachteile für die Umwelt (und damit auch für uns) vergesellschaftet werden. Denn eines ist sicher: Der Biodiversität tut ein Herbizid niemals gut. Der Verlust von Biodiversität und dessen langfristige Folgen (und ihre Umkehrbarkeit) sind bei komplexen Öko-Systemen kaum zu prognostizieren.

Nur eines ist sicher: Die Wahrheit bleibt auf der Strecke

Der Befund des Umweltinstitutes München wurde zunächst von der Presse als Skandal aufgenommen. Pflanzengift im dt. Bier, das darf nicht sein, auch wenn sich Pestizide auf Obst und Gemüse finden lassen. Dass Glyphosat auch schon im Brot gefunden wurde, wird in den skandalträchtigen Meldungen ebenfalls  nicht erwähnt. Ob hier die Öffentlichkeitsstrategie des Umweltinstituts München aufgeht, wird sich zeigen. Der Deutsche Brauer Bund fährt jedenfalls harte Geschütze auf: Die Studie sei unseriös und die unseriös gefundenen Rückstände unbedenklich. Käme das Bundesinstitut zu einem anderen Ergebnis, würde das die gesamte unökologische Landwirtschaft in Frage stellen. Das will im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung nun wirklich niemand.

Die Medien machen mit beim Öko-Bashing. Zum Beispiel die FAZ. In einem Kommentar beruft sie sich dabei auf die Reputation des Bundesinstitutes für Risikoforschung. Entweder hier hat jemand seinen Job (=Recherche) nicht erledigt oder eben doch. Jedenfalls bringt nur eine oberflächliche Recherche die unrühmliche Rolle des Bundesinstituts in Bezug auf Glyphosat zu Tage.

 

Reserviert ab 19 Uhr – Kleiner Bericht vom Sticke-Tag am 19. Januar 2016

Der Januar ist ein gärbarfreier Monat, also wie gemacht für einen kleinen Betriebsausflug in die Landeshauptstadt Düsseldorf. Beim Uerigen ist Sticke-Tag und den darf sich die Gärbar-Crew nicht entgehen lassen. Die Stimmung ist in Worten schwer einzufangen und vielleicht am besten durch die Worte, derjenigen Dame zu charakterisieren, die das Uerige verließ, als wir eingetreten sind: „Es ist doch immer wieder schön!“ (Eine andere Dame meinte aber auch, dass das Uerige viiiiel zu bitter sei. Das sehen wir natürlich anders. Spalter sei dank.)

Es hat schon am Sticke Tag eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Der Altersdurchschnitt ist eher hoch, kaum Hippster vor Ort, die Stimmung ausgelassen, der Laden ziemlich voll und die meisten Tische ab 19 Uhr reserviert. Schlecht für uns, die wir nicht reserviert hatten, aber um sieben das erste Bier trinken wollten. Im hinteren Raum konnten wir dann doch einen Tisch ergattern. Ein paar Touristen von weit her mischten sich hier unter das Volk, tranken Bier und aßen gute Sachen.

Die Bierspezialistinnen treibt an diesem Abend nur eine Frage um: Wie gut ist die Sticke diesmal. Ja, ja, Bier ist ein Naturprodukt und das gilt fürs Sticke allemal. In einem kleinen Gespräch mit dem Brauer kam zu Tage, dass die Rohstoffe schon sehr schwankten und deshalb die Rezepte immer wieder angepasst werden müssten. So wäre der Alphasäure-Gehalt beim Hopfen in letzter Zeit eher abnehmend, sodass immer mehr Hopfen ins Bier muss, um die gleichen Bittereinheiten zu erreichen. Außerdem erfuhren wir, dass das Sticke hofpengestopft wird.

Das diesjährige Sticke ist ansprechend Bitter (keinesfalls zu bitter) und hat einen ziemlich schlanken Körper. Da beißt die Maus kein Faden ab: Dieses Bier ist im Bouquet straight hopfenwürzig und im Abgang hopfenbitter. Kein Wunder, dass dieses Bier zu den besten Bieren zählt, die man im Land des f***ing „Reinheitsgebots“ kaufen kann.

So schön kann polierte Kupfer sein
So schön kann poliertes Kupfer sein

 

Der heilige Gambrinus sieht ganz zufrieden aus
Der heilige Gambrinus sieht ganz zufrieden aus

 

Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern
Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern

 

Hier wird noch mit Doldenhopfen gebraut: eine Seltenheit und eine logistische Herausforderung, weil Doldenhopfen schlecht zu lagern ist
Hier wird noch mit Doldenhopfen gebraut: eine Seltenheit und eine logistische Herausforderung, weil Doldenhopfen schlecht zu lagern ist

 

Auch in der der Gärbar gibt es wie im Uerigen keinen Schnaps und keine Musik
Auch in der der Gärbar gibt es wie im Uerigen keinen Schnaps und keine Musik

 

Blumendeko fehlt der Gärbar allerdings
Blumendeko fehlt der Gärbar allerdings

 

So finden wir es gut: Sakrale Motive beim Kneipenfenster
So finden wir es gut: sakrale Motive beim Kneipenfenster

 

In der Nahansicht wird es ganz deutlich: Der St. Nikolaus verteilt gaben. Er ist einer unsere Lieblingsheiligen. Er kümmert sich ums Wohlergehen u. a. der Diebe, Bettler und Verbrecher, aber auch um die Kaufleute.
In der Nahansicht wird es ganz deutlich: Der St. Nikolaus verteilt Gaben. Er ist einer unsere Lieblingsheiligen. Er kümmert sich ums Wohlergehen u. a. der Diebe, Bettler und Verbrecher, aber auch um die Kaufleute, die wir eher kacke finden.

 

Die Grundlage des Reichtums einer jeden Gesellschaft: die Feldarbeit
Die Grundlage des Reichtums einer jeden Gesellschaft: die Feldarbeit, ohne sie kann nicht gebraut werden.